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Was wollte ich dort - Wein trinken?
Sicher auch, aber der Hauptgrund war die D-EGOR, eine Piper PA 18. Nun ist eine PA 18 an sich schon fast eine Sünde wert, diese aber hat eine Besonderheit - kein Fahrwerk!

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Viel besser - sie hat Schwimmer!
Den Winter verbringt sie in der Halle der Flugschule
Drive & Fly - Norbert Klippel. Das ist am Flugplatz Trier - Föhren. Sobald aber das Wetter es zulässt will sie aufs Wasser. Dann hat sie ihren Liegeplatz an der Mosel, in Bernkastel-Kueß, ortsteil Andel, um genau zu sein.

Frage:
Wie bringt man nun ein Wasserflugzeug mit Straight Floats
(das sind Schwimmer ohne Fahrwerk) vom Land auf das Wasser?
Antwort:
In dem man das Fahrwerk durch einen PKW-Anhänger ersetzt!

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Leider war ich bei dem sicherlich spektakulärem Start nicht zugegen - deshalb leider auch keine Fotos.

Am nächsten Tag war das Flugzeug dann an seinem Sommerliegeplatz. Mein Abenteuer konnte also beginnen.
Aber was so genau wollte ich denn nun wirklich, nur mal so mitfliegen - nein!
Vor fast genau zwei Jahren hatte ich an selber Stelle das Wasserflugrating gemacht, seither steht in meiner Lizenz unter XII Berechtigungen (Ratings) neben SE piston (land) auch
SE piston (sea) Unter bis/until stand aber 20.06.2008. Es war also mal wieder Zeit, den Bedingungen der LuftPersV gerecht zu werden - Verlängerung des Ratings stand also auf dem Plan!

Aber erst einmal wollte die Sache gar nicht so recht in die Gänge kommen. Nicht nur das das Flugzeug noch gar nicht auf dem Wasser war, das war das geringere Problem. Die Mosel war das weit grössere. Sie führte zu dieser Zeit gerade Hochwasser. Und mit dem Hochwasser treibt auf dem Fluss eine Menge Unrat, Treibholz zum Beispiel, von der Kategorie Zweig aufwärts. Diese Hindernisse zu sehen ist nicht einfach, und wenn man dann mit über
100 km/h einen Baumstamm erwischt ist das den Schwimmern nicht dienlich, da werden die Piloten dann schnell zu Schwimmern!
Sonnabend, der 26.04.2008, später Nachmittag. Ich bin mit Norbert Klippel an die Mosel gefahren, um die Situation zu checken. Man muss dazu wissen, dass ich am darauffolgenden Sonntag nach Hause fahren will. Norberts Stirn war sorgenvoll gerunzelt. Wie zum Hohn trieb langsam ein ziemlich dicker Ast an uns vorüber. “Wenn wir so eine erwischen ist der Schwimmer hin” war Norberts Kommentar. “Na mal sehen, wie es morgen Früh aussieht” - so verabschiedeten wir uns dann
.

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Der nächste Morgen, Sonntag, der 27.04.2008 - große Freude!
Norbert hat die Maschine noch an ihren Liegeplatz überführt - sie ist im Wasser.
Noch ein kurze Telefonat - der Termin steht!.

Dann ging alles ganz schnell. Einsteigen - Triebwerk anlassen - Verdrängerfahrt - auf Stufe und damit auf Gleitfahrt gehen - Abheben! Die folgenden anderthalb Stunden entschädigen für über 500 km Anfahrt und drei Tage bangen, ob es überhaupt klappt. Landen - starten - landen - starten und dann immer wieder eine weite Kurve über der wunderschönen Landschaft des Moseltals

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Zum Schluss, wie sollte es anders sein, der Wasserflieger muss ins Wasser. Aber nur zum Anlegen der Ruderschere am Höhenleitwerk.

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Und dann noch, ich geb`s ja zu, ein gestelltes Foto. Eine schöne Erinnerung an ein schönes fliegerisches Erlebnis. Ich werde mal zusehen müssen, wo man die Wasserfliegerei ein wenig vertiefen kann. Lohnenswert ist das allemal, der Spaßfaktor ist unübertroffen!

[Das Jahr 2008] [Album]